Drawn to you

Schnipselstart 06. März 2019 @ SNIPSL

Release geplant für Ende März/April 2019

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Jung, hübsch, intelligent, zum Sterben zurückgelassen – Haylie Ardens Leben endet und beginnt in dem Moment, als sie von einem Unbekannten in eine einsame Jagdhütte gebracht wird. Dort verabreicht er ihr ein Serum und verspricht ihr, dass sie das vor dem sicheren Tod retten wird. Als sie am nächsten Morgen unversehrt in ihrem Bett aufwacht, scheint das alles nur ein Traum gewesen zu sein, doch bald merkt sie, dass ihre Rettung einen Preis hat und jemand kommen wird ihn einzufordern.
Plötzlich steht Caelan vor ihr, Alpha des Clans im Revier VII und erklärt ihr, dass sie eine Lunati ist – eine von ihnen. Illegal erschaffen und sich selbst überlassen. Schon klebt Blut an ihren Händen. Und was ist mit der Anziehungskraft, der sie sich nicht widersetzen kann und die sie immer wieder in das Bett von Caelan zieht?
Ist sie in seinen Armen gerettet oder wurde damit ihr Tod nur hinausgezögert?

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1. Kapitel

6. März – Haylie – Neumond – 17:05:27

Das metallische Scheppern ist nicht laut, auch nicht der Klang als Metall auf Metall trifft, doch die Mischung gehört zu jenen Geräuschen, die einen sofort Gefahr vermitteln. Dann folgt der Aufprall, ihn spüre ich in meinem Rücken. Wie unbeteiligt merke ich, wie er mit etwas kollidiert. In meinem Kopf überschlagen sich die Gedanken, wie auch ich mich überschlage. Blech, Haube – mein Kopf auf Glas, katapultiert durch die Luft und über die Hitze eines Motors. Instinktiv hebe ich meine Arme, will mich abschirmen vor dem, was mich über sich prügelt, versuche mich abzufangen. Alles passiert so schnell, obwohl es mir vorkommt wie in Zeitlupe. Bild für Bild brennt sich in meine Netzhaut, auch wenn die Informationen nicht an mein Gehirn weitergeleitet werden. Wie aus der Ferne höre ich Glas bersten; es regnet silbrig auf den Asphalt. Blechernes Klingeln, Scharren. Ich bilde mir ein zu wissen, dass dieses Geräusch von meinem Fahrrad erzeugt wird, wie es vom Kühlergrill getroffen, unter das Fahrzeug gezogen wird. Rote Lichter flammen auf und metallisches Quietschen pfeift durch die Luft. Die Wucht, die mich zuvor gerammt hat, entlädt sich nun in entgegengesetzter Weise und wirft mich wütend ab. Unfähig meinen Flug zu kontrollieren, höre ich die Luft an meinen Ohren vorbeisausen, dann entweicht mein Atem aus den Lungenflügeln, als ich auf den Boden pralle. Alles dreht sich und ich spüre, wie der Aufprall von allen Seiten auf meinen Körper wirkt. Erde spritzt mir ins Gesicht. Die Kräfte des Abwurfs brauchen sich auf, verpuffen wie Schaumblasen an der Wasseroberfläche. Ich blinzle durch den Dreck, aufgewirbelten Staub und Farnbüschel. Etwas Warmes läuft über mein Gesicht und verwischt mir die Sicht. Wie durch dumpfen rosa Nebel sehe ich leuchtende Augen an mir vorbei ziehen, heulen, dann hüllt mich die Dunkelheit ein und mit ihr das monotone Flimmern meines Atems.
Irgendwo zwischen Wachen und das Bewusstsein verlieren, spüre ich eine Regung. Etwas zerrt an mir, greift unter meine Jacke und richtet meine Beine aus. Der Schmerz, der bei jeder Bewegung durch meine Glieder schießt, lässt mich Wimmern. Zu allem anderen fehlt mir die Kraft.
Allein der Gedanke, dass es eines der hungrigen Wildschweine sein könnte, das mich führ Nahrung hält, lässt mich versuchen meine Augen zu öffnen, doch ich schaffe es nicht aus dem tiefen Abgrund hervorzutauchen.
Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass Schweine alles fressen, absolut alles. Warum dann nicht auch mich? Eine Studentin, die auf dem Heimweg ihrer letzten Prüfung des Semesters vom Fahrrad gefahren wurde. Hier, auf dieser spärlich frequentierten Straße, die einen halben Kilometer nach der Stadtgrenze in einen Wald verläuft. Aber dem Wildschwein werden meine Prüfungen egal sein, genauso wie mein Fahrrad oder dass ich nicht mehr sehr weit gehabt hätte, bis ich die Einmündung nach recht hätte nehmen wollen. Die Zufahrt nach Hause.
Dort ist das Anwesen samt Parkanlage, das meine Eltern, als sie noch lebten renoviert und zu unserem Familiensitz auserkoren hatten. Die einzigen Nachbarn sind Jäger, die in den vereinzelten Jagdhütten zur Hauptsaison ihre Lager aufschlagen. Sonst gibt es nur eine Gabelung, an der sich die Straße aufteilt und in jede Richtung sind es zehn bis fünfzehn Kilometer, bis das nächste Dorf kommt.
Niemand wird meine Schreie hören, wenn mich ein wildes Tier zerfleischt! Niemand mir zur Hilfe eilen und da Semesterferien sind, wird mich auch sehr lange niemand vermissen.
Mein Verstand galoppiert sich in Panik und ich versuche, meine letzte Kraft dahin zu bündeln, dass ich das Tier abwehre. Mit geschlossenen Augen winde ich mich von der Berührung fort und ächze in die Bewegung.
»Keine Angst, Haylie!«, brummt eine tiefe Stimme über mir und mein schmerzumnebelter Verstand fragt sich nicht, wer das ist und woher er meinen Namen kennt, sondern dass Wildschweine doch gar nicht sprechen können.
Dann werde ich vom Boden aufgehoben und davongetragen. Mit jedem Schritt fühle ich meinen Körper, dessen Verletzungen, die zu einer großen offenen Wunde zusammenlaufen und ich dämmere zwischen Wachsein und Agonie.

Das Knistern eines Feuers weckt mich. Ich liege ausgestreckt auf einer Pritsche in einer Holzhütte. In einer Feuerstelle neben mir lodern Flammen, deren Schein die einzige Lichtquelle ist und alles im Raum in lange Schatten hüllt.
Vor dem Kamin sitzt ein Mann mit graumeliertem Bart und starrt in die Glut. Seine kurzen Haare sind schwarz, mit silbrigen Strähnen durchzogen, die sonnengegerbten Gesichtszüge spiegeln Gedanken, die immer wieder auf ein ungutes Ende hinaus zu laufen scheinen. Als er sich zu mir dreht, kann ich den inneren Kampf in seinen Augen sehen. Resignierend senkt er den Kopf und mustert seine Hände. Darin dreht er eine Ampulle zwischen seinen langen Fingern und umfasst sie schließlich mit der ganzen Faust.
»Ich kann dir helfen, Haylie, aber es hat einen Preis!«, verspricht er.
Seine Bewegung, als er auf mich zu kommt, hat etwas geschmeidiges, Kraftvolles, obwohl er mich einige Zeit durch den Wald getragen hat, sieht man ihm diese Anstrengung nicht an.
Neben meiner Pritsche kniet er sich hin und sieht mir direkt in die Augen. Sein Ausdruck ist zerrissen und zu den vielen Fragen, die in meinem Kopf ein einziges Summen erzeugen, kommt hinzu: Wer zur Hölle bist du?
Er ertastet etwas auf dem Tischchen neben mir und öffnet den Reißverschluss entlang eines Etuis, das dort lag. Meine Augen werden groß, als er eine Spritze hervorzieht, die Spitze der Glasphiole bricht und sich darauf konzentriert das Serum in den Zylinder zu ziehen. Prüfend hält er die Kammer gegen das Feuer und drückt die Luftblasen heraus. Die Flüssigkeit schimmert silbrig rot und drückt sich träge an die Außenwände.
Ohne mich anzusehen, schiebt er den Kragen meiner Jacke zur Seite und drückt mein Kinn auf die entgegengesetzte Seite. Sofort schießt gleißender Schmerz durch meinen Arme und in meinen Kopf. Wehren ist unmöglich und zu allem anderen, wie etwa vergeblich um Hilfe rufen, bin ich mittlerweile zu schwach.
»Tut mir leid!«, murmelt er, dann fühle ich einen Stich an meinem Hals und wie sich eine kühle Flüssigkeit in das Blut in meine Halsschlagader spült.
Ich will mich bewegen, ein letztes Aufbäumen angetrieben von der puren Angst, doch alles was ich schaffe, ist meine Augen zu schließen und sie wieder zu öffnen.
»Keine Angst, Haylie. Gleich wird es dir besser gehen!«
Dann erreicht das Mittel mein Gehirn und lässt mich das Bewusstsein erneut verlieren.

***

Leuchtend blaue Augen schauen mir so tief in die Seele, dass ich mich nicht nur nackt fühle, denn das bin ich, sondern entblößt. Nichts entgeht ihnen und sie verfolgen jede meiner Bewegungen. Ich pirsche mich an, versuche an ihnen vorbei zu kommen, aber ich habe keine Chance. Starke Arme umgreifen meine Taille und heben mich hoch. Für meinen Moment strauchle ich, dann sinke ich auf etwas weiches hinab. Die blauen Augen über mir funkeln mich an.
»Haylie …«

Erschrocken fahre ich hoch und versuche mich an etwas festzuhalten. Das Gefühl im freien Fall zu sein lässt meine Hände in die Decke greifen, als wäre sie ein Fallschirm. Es dauert einige Sekunden bis ich einordnen kann, wo ich bin: in meinem Bett.
Es ist Tag und die Sonne scheint durch das große Fenster. Ich lasse meinen Kopf in meine Hände sinken und konzentriere mich auf meine Atmung, bis mein Herz verstanden hat, dass ich zuhause bin und es nicht wie von der Tarantel gestochen in meinem Brustkorb hämmern muss.
Die Erinnerungen kommen zurück, an den Aufprall, an das Auto und den Mann in der Hütte im Wald.
Vorsichtig schiebe ich die Bettdecke zurück und taste meine Beine ab. Nichts das den Anschein einer Verletzung macht. Nicht einmal ein blauer Fleck ist auf meiner Haut zu erkennen. Ich trage meine Shorts und T-Shirt, wie immer zum Schlafen und auch meine Arme sind ohne jegliche Blessur.
Trotzdem steige ich langsam aus dem Bett und achte auf jede Rückmeldung meines Körpers. Es ist nichts zu sehen und ich spüre nichts, außer dass ich mich fit und erst noch richtig gut fühle.
Nach einer Dusche, während der ich noch einmal meinen Körper untersuche, bin ich der festen Meinung, dass alles nur ein dummer, lebhafter Traum gewesen ist. Die Prüfungszeit kann anstrengend sein und es wäre nicht das erste Mal, dass ich wirre Träume bei emotionaler Belastung hatte.
Nachdem meine Eltern bei einem Bootsunglück gestorben sind, habe ich monatelang nicht schlafen können und immer wieder unter Alpträumen gelitten. Vielleicht ist das durch den Stress der letzten Prüfung verstärkt hochgekommen, das Gefühl von Sterben, Verlust und roher Verletzung?
Als ich nach unten in die Küche gehe, um mir ein Frühstück zu machen, habe ich alle Gedanken soweit im Zaum, dass meine Stimmung gut und mein Herzschlag normal ist.
»Buenos dias, Ms McCimmons!«, begrüßt mich Maria, meine bald ehemalige Haushälterin und frühere Nanny, die gerade die Einkäufe in den Kühlschrank packt.
»Guten Morgen, Maria!«
»Morgen? Es ist Mittag, mein Kind!«, tadelt sie mich und deutet auf die Wanduhr, deren Zeiger beide äußerst senkrecht nach oben zeigen.
»Gestern war die letzte Prüfung. Ein bisschen Ausschlafen und Faulenzen ist jetzt angesagt!«, gebe ich zurück und drücke auf den Knopf der Kaffeemaschine, die lautstark ihre Arbeit aufnimmt, dabei wundert es mich selbst, dass es schon so spät ist.
»Das darfst du nun auch!«, pflichtet sie mir bei und holt eine Tüte mit frischen Croissants hervor.
Mein liebstes Frühstück und Maria weiß das genau!
»Du willst mir wohl damit klar machen, dass ich dich sehr vermissen werde, oder?«
»Darfst ruhig wissen, was du an mir hattest!«, bestätigt sie mich und erfüllt dann die Küche mit ihrem herzlichen Lachen.
Maria ist zwar eine Angestellte, aber sie ist die einzige Familie, die ich habe. Langsam kommt sie in ein Alter, wobei das ihre Worte sind, nicht meine, da muss sie sich ein wenig schonen. Außerdem möchte sie in ihre Heimat zu ihrer Familie zurück, was ich durchaus verstehen kann. Hätte ich noch eine Familie, ich würde bei ihr sein wollen.
Nach dem Frühstück verabschiedet sich Maria und ich begleite sie hinaus in den Hof.
»Pass auf dich auf und wenn du mich besuchen kommst, dann kochen wir Burritos, Quesadillas und Tamales bis du sie nicht mehr sehen kannst!«, verspricht sie mir.
Sie drückt mich noch einmal herzlich und ich winke ihr hinterher, als sie mit ihrem Wagen im Wald verschwindet. Wir haben unsere Verabschiedung über Wochen hinweg zelebriert und wir bleiben sicher etwas in Kontakt. Sie nicht mehr, um mich zu haben ist schwierig; allein zu sein, das ist leichter.
Für einen Moment bleibt mein Blick an den Bäumen hängen, die neben der engen Zufahrt so dicht stehen, dass sie das Sonnenlicht nur spärlich durchlassen und der Boden mit dickem Moos bedeckt ist. Auch wenn mein Verstand mir sagt, dass es unmöglich ist, bin ich mir nicht sicher, ob ich dort nicht doch eine Bewegung erkennen kann. Eine Gestalt, die sich langsam zwischen den Bäumen von mir wegbewegt.
Mir fällt der Traum der letzten Nacht wieder ein, der Unfall und wie mich jemand gerettet hat. Wie ein kühler Windstoß, lässt mich die Erinnerung eine Gänsehaut bekommen und etwas in mir wird rastlos. Kurz zögere ich, dann umrunde ich doch das Haus und laufe zu den Garagen hinterhalb des Wohngebäudes um mich zu vergewissern, dass mein Fahrrad, wie sonst auch, dort steht und unversehrt ist.
Der Kies knirscht unter meinen Hausschuhen. Die Luft ist für Anfang März zwar schon recht warm, aber immer noch frisch. Die Sweatjacke enger ziehend lasse ich meinen prüfenden Blick über die Hofeinfahrt und die Gartentüren schweifen. Doch an nichts bleibt mein Fokus hängen, alles ist wie sonst auch. Alles wie immer und doch wirkt es mit einem Mal fremd auf mich.
Ich schiebe das Garagentor auf und starre wie erstarrt auf einen Haufen verbogenes Blech und zwei krumme Reifen. Mein Fahrrad liegt wie geschmolzen und wieder erstarrt vor mir. Die Luft ist aus den Reifen gewichen und an eine Reparatur ist nicht einmal mehr im Traum zu denken. Unschlüssig, was ich mit diesem Anblick und der damit verbundenen Information anfangen soll, schiebe ich das Tor wieder zu und gehe zum Haus zurück.
Wo ist meine Tasche mit den Büchern? Mein Smartphone?
Im Haus bleibe ich stehen, dann nehme ich doch das Festnetztelefon und wähle meine eigene Mobilnummer. Nur wenige Sekunden später höre ich gedämpft meinen Klingelton aus dem Eingangsbereich ertönen und finde, nach kurzem Suchen, meine Tasche unterhalb der Garderobe. Ein ungewöhnlicher Ablageort für mich, aber es kam schon vor, dass ich so erledigt war, dass ich meine Jacke ausgezogen habe und die Tasche dann einfach zu meinen Füßen gesunken liegen gelassen habe. Aber ich kann mich nicht erinnern wie ich gestern überhaupt nachhause gekommen bin. Wie ich meine Jacke ausgezogen habe.
Die Umhängetasche steht vor Dreck und die Bücher darin sind teilweise deutlich ramponiert. Mein Smartphone hat dank der Schutzhülle, die zwar gebrochen ist, aber ihre Aufgabe gut erfüllt hat, nichts abbekommen.
Wo ist meine Jacke? Und das, was ich gestern an hatte?
Mit rasendem Herzen sitze ich im Flur und starre auf die Fakten, die mein Verstand nicht leugnen kann, mein Seelenfrieden aber so gerne möchte!
Was zur Hölle?